Friedrich Spee SJ - Kämpfer gegen die Hexenverfolgungen

 

Als in Europa die Scheiterhaufen loderten, stellte sich mit Friedrich Spee SJ ein mutiger Denker gegen die Hexenverfolgungen. Vor 425 Jahren, am 25. Februar 1591, wurde der Jesuit, Poet und Mahner geboren.

Das ausgehende 16. Jahrhundert war eine gefährliche Zeit - nicht nur für Frauen und Männer, die als vermeintliche Hexen angeklagt, gefoltert, verbrannt wurden. Sondern auch für jene Vordenker, die sich mutig gegen die grassierenden Hexenverfolgungen stellten. Dazu zählt der Jesuit, Kirchenlieddichter und Kämpfer gegen das Unrecht Friedrich Spee, der vor 425 Jahren geboren wurde.

Eine Hochburg der frühneuzeitlichen europäischen Hexenverfolgungen war das Kürfürstentum Trier, wo nach Schätzungen etwa 1.000 Frauen und Männer hingerichtet wurden. Unter den Opfern waren Angehörige aller Schichten, auch Wohlhabende aus der städtischen Oberschicht und sogar Geistliche. Auf dem Höhepunkt der Verfolgungswelle trat der in Trier lehrende niederländische katholische Theologe Cornelius Loos als einer der ersten gegen die Hexenjagden auf. Den Hexenglauben tat er 1591 als Verblendung, Unsinn und Albernheit ab, woraufhin er inhaftiert wurde. Nur durch Widerruf seiner Thesen konnte er seinen Kopf retten.

Im selben Jahr, am 25. Februar 1591, erblickte in Kaiserswerth am Rhein Friedrich Spee das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Köln studierte er zunächst an der philosophischen Fakultät der dortigen Universität, wo er 1609 den Grad eines Bakkalaureus erwarb. Zwischen 1610 und 1612 folgte ein Noviziat bei den Jesuiten in Trier.

In diesen Jahren lag die ärgste Welle der Hexenverfolgungen im Trierer Land gerade einmal 20 Jahre zurück. "Ohne Zweifel war das ein Thema, über das man im Jesuitenkolleg gesprochen hat", mutmaßt die Trierer Historikerin Rita Voltmer, Vorsitzende der Friedrich-Spee-Gesellschaft, welche sich dem Gedenken des Jesuiten widmet.

Der Ausbruch der Pest zwang Spee, sein Studium in Würzburg und Mainz fortzusetzen, wo er 1622 zum Priester geweiht wurde. Anschließend wirkte er als Hochschullehrer für Philosophie und Moraltheologe in Paderborn. In dieser Zeit verfasste er auch die meisten seiner rund 130 Kirchenlieder. Lange Jahre arbeitete er an seiner "Trutz-Nachtigall", einer Sammlung geistlicher Lieder. "Spee gilt als einer der bedeutendsten katholischen Barockdichter", würdigt der Trierer Kirchenhistoriker Bernhard Schneider den Jesuiten.
Doch die weitaus größere Bekanntheit erreichte Spee nicht als Poet, sondern mit seiner Kritik an den Hexenverfolgungen. Aus diesem Grund verlor er 1630 sein Lehramt. Wissend um die Gefahr, in der er sich bewegte, veröffentlichte er 1631 unter Pseudonym die "Cautio Criminalis" (Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse).

Die Verfolgung der Hexen war durch päpstliche Bullen, also von höchster kirchlicher Autorität gebilligt worden. Den Glauben an die Existenz von Hexen an sich anzuzweifeln, wäre Ketzerei gewesen und hätte Spee wohl vor Gericht gebracht. Ihm ging es daher um die Kritik an der zeitgenössischen Gerichtspraxis. "Die Folter war damals ein legales Mittel der Geständniserzwingung und wurde in fast allen Strafgerichtsprozessen angewandt", erklärt Voltmer.

Angeklagte galten vor Gericht als schuldig und mussten ihre Unschuld beweisen, etwa indem sie die Folter ungeständig überstanden. "Deutlich stellte Spee die Folter als grausames Vervielfältigungsinstrument heraus, das aus jedem Unschuldigen zwangsläufig eine 'Hexe' machen würde", so Voltmer. Zudem habe Spee seine Kritik an der Hexenjustiz "mit bis dahin kaum gekannter sprachlicher Brillanz und argumentativer Schärfe vorgebracht".

Die grundsätzliche Unschuldsvermutung, der Kampf gegen die Folter und für ein Recht auf Verteidigung - es sind menschenrechtliche Prinzipien, die Spee forderte. 1632 wurde er wieder nach Trier versetzt. Mitten im Dreißigjährigen Krieg, während Trier hart umkämpft wurde, wirkte er als Seelsorger und Pfleger von Verwundeten.

Dabei infizierte er sich mit einer Seuche, an der er am 7. August 1635 starb. In einem Nachruf der Jesuiten heißt es, Spee sei "von eminent freiem religiösem Geist" gewesen. Die Historikerin Voltmer würdigt ihn als "mutigen, scharfsinnigen und unbeugsamen Gegner der Hexenverfolgungen".

Michael Merten (KNA)

Jesuiten in Berlin

 

Neben der Jesuitenkommunität am Canisius-Kolleg gibt es noch das Ignatiushaus mit der Pfarrei St. Canisius und dem Forum der Jesuiten, das Altenheim der Jesuiten in Kladow sowie die Kommunität in der Naunynstr. in Kreuzberg.

 

Geschichte der Gesellschaft Jesu in Berlin

Die Geschichte der Gesellschaft Jesu in Berlin kann sich nicht vergleichen mit der Historie der großen alten Orden; der Zisterzienser, die das Land urbar machten, ihm Bildung und Kultur brachten; oder mit dem Wirken der Dominikaner und Franziskaner; auch sie haben schon in vorreformatorischer Zeit vor allem in Brandenburgischen Städten ihre Geschichte, und damit auch im alten Berlin. Die Jesuiten taten sich lange Zeit schwer in und mit dieser Stadt. Erste Kontakte gab es wohl schon vor 1773 - den Anlaß dazu boten geheime Seelsorgeaufträge bei den wenigen Katholiken, die man zum Militärdienst in die preußische Armee gezwungen hatte.(1) 1773 ist jenes Jahr, in dem unter Papst Klemens XIV. der Bau der Hedwigskirche erfolgte. Es ist der gleiche Papst, der im gleichen Jahr auf Druck vor allem der französischen Bourbonen und der Portugiesen die Gesellschaft Jesu aufhebt. Weil die russische Zarin Katharina und König Friedrich II. von Preußen in ihren Ländern das päpstliche Aufhebungsdekret nicht veröffentlichen, kann der Orden in diesen Ländern weiterbestehen, in Preußen wenigstens noch für ein paar Jahre. Aufschlußreich eine Notiz aus der königlichen Kanzlei, die man zu diesem Ereignis in den Quellen findet. Danach schrieb Friedrich II: "Ich meines Teils rechne es mir zur Ehre an, die Trümmer dieses Ordens in Schlesien aufzubewahren, so sehr ich auch ein Ketzer bin. Mit der Zeit wird man in Frankreich die Verbannung dieses Ordens empfinden, und in den ersten Jahren wird die Erziehung der Jugend darunter leiden. [...] Wenn Sie es verlangen, will ich Ihnen beweisen, daß bei der Vertreibung nur Eitelkeit, geheime Rachsucht, Kabalen und endlich Eigennutz alles getan haben. Nicht so die ehrlichen Jesuiten und Patres, für welche ich nun einmal eine verwünschte Zärtlichkeit hege." (2)

 

(1)L.Jablonski, Geschichte des fürstbischöflichen Delegaturbezirks Brandenburg und Pommern, Breslau 1929, Bd.l S.77

(2)zitiert nach: Schuchert/Schütte, die Kirche in Geschichte und Gegenwart, Bonn 1969, S.452

 

 
   
© 2011 Canisius-Kolleg GmbH __ Konzept & Design Dr. Florian Böhle __Finanzierung Canisius Kolleg Freunde und Förderer e.V. __ ALLROUNDER