Ignatianische Pädagogik

 

 

Der jesuitische Charakter der Jesuitenkollegien

Kriterien für einen Prozess der Evaluation an Jesuitenkollegien und Kollegien in ignatianischer Tradition.
(P. Klaus Mertes SJ, Delegat für ignatianische Pädagogik, München, 8. Dezember 2008, Fest Mariä Empfängnis.)

Die vorliegenden 10-Punkte zur Evaluation von Jesuitenkollegien (Schulen, Internaten) sind aus einer Vorlage entstanden, die in den US-amerikanischen Provinzen unter dem Titel „What makes a Jesuit High School Jesuit?“ erarbeitet wurde. Diese wurde grundlegend überarbeitet und den Verhältnissen hierzulande angepasst.

Die 10 Punkte geben Kriterien für die Evaluation des jesuitischen, ignatianischen Charakters einer Schule bzw. eines Kollegs an die Hand. Sie sollen ihnen helfen, sich ihrer lebendigen Beziehung zur Gesellschaft Jesu zu vergewissern. Frageinteressen und Schwerpunkte möglicher anderer Evaluationen sind dadurch nicht berührt und sollen auch nicht durch diese 10 Punkte ersetzt werden. Zugleich wird mit diesen Kriterien kein exklusives, inhaltliches Verständnis von „jesuitisch“ beansprucht. Das „Jesuitische“ einer Schule oder eines Kollegs wird nicht durch eine differentia specifica bestimmt, die übrig bleibt, wenn man vorher alles abzieht, was Jesuitenschulen mit anderen Schulen gemeinsam haben. Viele Anliegen und Profilmerkmale, die an anderen, nicht-jesuitischen Schulen oder Internaten ebenfalls vorkommen, stimmen mit „jesuitischen“ Anliegen und Zielen der Sache nach überein. Man muss ihnen dann auch nicht das Etikett „jesuitisch“ aufkleben, genauso wenig wie man sie deswegen umgekehrt aus der inhaltlichen Bestimmung des „Jesuitischen“ oder des „Ignatianischen“ herausnehmen müsste.

 

Jesuitenschulen sollen Orte sein ...

- an denen die Schüler und Schülerinnen ihre Würde als Mensch erfahren,

- über die Bedeutung des Gelernten reflektiert wird,

- die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt wird,

- und die Frage nach Gott wach gehalten wird.

Mit diesen vier Punkten haben Kollegs- und Schulleitungen sowie Lehrer und Erzieher an den deutschsprachigen Jesuitenkollegien in den 90er Jahren nach einem längeren Prozess das Profil ignatianischer Pädagogik zu bestimmen versucht. Die vier Punkte tauchen in den 10 Evaluationskriterien als Querschnittfaktor immer wieder auf. Man kann auch die inhaltlichen Schwerpunkte der 10 Evaluationspunkten den vier Begriffen zuordnen: 1+10 thematisieren den Schlüsselbegriff „Würde“, 2-4 kreisen mehr um die „Frage nach Gott“, 5+6 akzentuieren das Thema „Gerechtigkeit“, 7-9 legen den Schwerpunkt auf Anliegen der „Reflexion“.

Viele Anliegen des vorliegenden Evaluationskonzeptes können nicht rein quantitativ gemessen werden. So wird die Evaluation auch weithin den Charakter einer Rückmeldung aus Kollegium, Elternschaft und Schülerschaft haben müssen. Dazu werden ergänzende Fragebögen erarbeitet; auch andere Methoden für Rückmeldungen sind möglich.

Die Evaluation erfolgt nicht gleichzeitig und flächendeckend für alle Jesuitenkollegien und Schulen in ignatianischer Tradition, sondern nach den jeweiligen Umständen in Absprache zwischen den Schulleitungen und Schulträgern. Einige Fragestellungen werden für die eine oder andere Schule vielleicht gar nicht passen, wenn z.B. der nicht-jesuitische Schulträger andere Vorgaben gibt. In diesem Falle können und müssen die Fragestellungen dem örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Dennoch lässt sich in den 10 Punkten ein Leitbild entdecken, das als Vision verstanden werden und so auch Bewegung in die Institutionen bringen kann.

Die vorliegenden Evaluationskriterien wurden von Provinzial P. Stefan Dartmann für den Bereich der Deutschen Provinz approbiert und erlassen.

 

   
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