Darstellendes Spiel (DS)

Theater ermöglicht es, sich in andere Figuren zu versetzen, zu verstehen, wie sie denken und handeln. Und es sind nicht nur die glücklichen Figuren, hier geht es um Sieger und Verlierer, um Starke und Schwache, um Gewöhnliche und Ungewöhnliche.

Theater hat wie auch die Bildende Kunst und die Musik Gesetzmäßigkeiten und Regeln, die gelernt werden müssen, um die Zuschauer von der Darbietung zu begeistern. Neben dem Ausdruck durch Körper und Bewegung, Stimme und Sprache gehört hierzu auch die Gestaltung der Bühne und der Requisiten, der Umgang mit Licht und die Unterstützung durch Ton- oder Filmaufnahmen.

Theater erfordert ein Team. Nur wenn die Gruppe zusammenhält, ist eine erfolgreiche Inszenierung möglich. Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind absolut notwendig.  Hierzu gehört auch die Bereitschaft, kurz vor einer Aufführung an zusätzlichen Probenterminen teilzunehmen. Es geht nicht nur um die eigene Note – alle stehen mit ihrer Aufführung vor Publikum.

Beginnend mit dem Schuljahr 2011/12 werden fünf Kollegen das Fach DS am Canisius-Kolleg unterrichten. An den DS-Kursen nehmen in der Regel 12-15 Schülerinnen und Schüler teil.


Hexenjagd (Arthur Miller)










Einer flog über das Kuckucksnest (Ken Kesey)

Stundentafel

In der Unter- und Mittelstufe sollen nach Möglichkeit Arbeitsgemeinschaften stattfinden, die erste Einblicke in das Fach bieten.

Vom 1. bis 4. Semester wird DS 3-stündig angeboten.

  • Das Fach DS kann im Abitur sowohl als Referenz- als auch als Bezugsfach für die 5. Prüfungskomponente gewählt werden.
  • Die Teilnahme am Fach DS ersetzt in der Qualifikationsphase die Teilnahme am Fach Musik oder Kunst, welche alternativ mindestens 2-semestrig als künstlerisches Fach ins Abitur eingebracht werden müssen. Allerdings ist die Belegung des Faches DS stets 4-semestrig und setzt die erfolgreiche Teilnahme an einem Workshop voraus, in dem die Grundlagen und Arbeitsweisen des Faches vorgestellt werden. Dieser Workshop wird für die 10. Klasse angeboten.


Schulinternes Curriculum

Die explizite Handlungsorientierung des Faches wird mit der Projektmethode realisiert. Zentraler Gegenstand des Projekts ist eine Inszenierung oder Präsentation. Jeder DS-Kurs zeigt innerhalb der vier Semester mindestens ein Ergebnis der Schulöffentlichkeit, in der Regel am Ende des 4. Semesters. Ein solches Theaterprojekt bietet den Schülerinnen und Schülern zahlreiche miteinander verzahnte, komplexe Themenfelder, in denen Sachkompetenz, Gestaltungskompetenz, kommunikative Kompetenz und kulturelle Kompetenz erworben werden.

Die Bewertung der Leistung setzt sich aus dem allgemeinen Teil (der Kursarbeit, der häuslichen Vorbereitungs- oder Nachbereitungsarbeit) und der Klausur (spielpraktische Klausur mit spielpraktischen und schriftlichen Anteilen oder schriftliche Klausur) zusammen. Die Bewertungskriterien für den allgemeinen Teil entsprechen dem Berliner Rahmenlehrplan.


Kompetenzerweiterung und Handlungsfelder

Sachkompetenz: Theater verstehen lernen

Externe Theaterbesuche – sowohl Profi-Theater als auch andere Schultheatervorstellungen (Arbeitstreffen Schultheater Berlin, Vorstellungen anderer Kurse an der eigenen oder anderen Schulen) werden gemeinsam besucht und nach vorab besprochenen Kriterien reflektiert. Die eigenen Versuche theatraler Umsetzung, sowohl Erarbeitungsergebnisse kurzer Gestaltungsaufgaben als auch die der Schulöffentlichkeit präsentierten Inszenierungen werden untersucht und besprochen. Die Schülerinnen und Schüler kennen und verstehen in zunehmendem ­­­­­­Maße Bedeutung, Funktion und Aufgaben von Spieler, Raum, Bewegung, Bühne, Licht, Ton, Requisit und Kostüm. Theaterspezifische Techniken und Gestaltungsmittel werden erarbeitet und mehr und mehr in die eigenen Umsetzungsideen integriert. Theatertheoretische Grundlagen werden erarbeitet und in die Projektarbeit integriert (Themenbeispiele: Griechische Tragödie (Aristoteles), Shakespeare,  Commedia dell Arte, Tschechov/Stanislawsky, Piscator, Expressionistisches Theater,  Peter Brook, Robert Wilson, Theatre du Soleil, Episches Theater, Grotowski).

Gestaltungskompetenz: Theater gestalten

Auf der Basis der vermittelten ästhetischen theatralen Gestaltungsmöglichkeiten lernen die Schülerinnen und Schüler eigene kreative Ideen umzusetzen und zu erweitern. Eigene Erfahrungen ergeben zusammen mit den erarbeiteten theatertheoretischen Grundlagen individuelle Umsetzungsideen. Sowohl bei der Auswahl eines Projektthemas als auch bei der Umsetzung sind die Ideen und kreativen Umsetzungsvorschläge der Schüler in diesem Fach in besonderem Maße gefragt. In der Reflexion im Kurs wird die Umsetzungsmöglichkeit ständig evaluiert. Funktion und Aufbau eines themenbezogenen Warm-ups werden besprochen und erarbeitet.

Kommunikationskompetenz: Theater reflektieren

Das Theaterspielen fördert die kommunikative Kompetenz in besonderer Weise. Die Darstellung komplexer Figuren eröffnet den Schülern die Möglichkeit, andere Lebensentwürfe kennen und verstehen zu lernen. Die projektorientierte Arbeitsweise erfordert in besonderem Maße eine konsequente Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler, fördert die Übernahme von Verantwortung und Solidarität. Die Fähigkeit, Erarbeitungsergebnisse zu reflektieren, in angemessener Weise zu kritisieren und Kritik als Bereicherung und Erweiterung eigener Handlungsmöglichkeiten zu begreifen, wird ständig geübt, gefördert und erweitert.

Soziokulturelle Kompetenz: an Theater teilhaben

In der spielerischen Begegnung und inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem historisch,

kulturell oder sozial Fremden betrachteter oder erarbeiteter Inszenierungen reflektieren die Schülerinnen und Schüler den Hintergrund ihres eigenen Agierens. Sie erfahren dabei unterschiedliche Perspektiven von Wirklichkeit über den Erfahrungsraum ihrer Familien und des Canisius-Kollegs hinaus, gewinnen Einsicht in die Konstruierbarkeit von Wirklichkeiten und erweitern somit den Handlungsspielraum für ihr künftiges berufliches und privates Leben. Mit dem Spiel erzielen sie Wirkungen und erzeugen beim Zuschauer emotionale und reflexive Reaktionen. Sie finden Zugänge zu ästhetisch anspruchsvollen Gestaltungen der aktuellen Theater- und Filmkunst.

Im Darstellenden Spiel erwerben die Schülerinnen und Schüler Inszenierungswissen und

entwickeln die Fähigkeit, die Darstellungsdimension privater, öffentlicher und medialer Kommunikation zu erkennen, öffentliche und mediale Inszenierungen zu beurteilen und mit Theater, Film und Fernsehen reflektiert umzugehen. Die Teilhabe am politischen und kulturellen Leben wird gefördert.


Themenfelder

Alle Themenfelder greifen jederzeit mehr oder weniger stark ineinander. Das Lernen in diesen Themenfeldern hat einen spiraligen Aufbau. Die Gestaltungsaufgaben werden anspruchsvoller und auf einem zunehmend höheren Niveau bearbeitet.

1. Theaterformen

Mögliche Inhalte, die in Bezug auf die ausgewählten Projektideen genauer betrachtet werden können:

Bewegungstheater Bildertheater Literaturtheater (Sprechtheater) Musiktheater Objekttheater (Masken-, Puppentheater) Performancetheater Tanztheater Videotheater Mischformen


2. Regie/Dramaturgie/Inszenierung

Konzeption Komposition


3. Szenische Darstellung

Körper und Bewegung Stimme/Sprechen/Text Figur/Rolle/Improvisation


4. Bild

Bühnenraum/Bühnenbild/Bühnenlicht Kostüm/Requisit/Maske Medien/Video


5. Musik

Tempo/Rhythmus Ton/Klang/Geräusche


6. Rezeption

Zuschauen/Reflexion


Kurshalbjahre

1. Kurshalbjahr (ds-1): Entwicklung eines Theaterprojekts

Schwerpunkt: Szenische Darstellung (Körper und Bewegung), Musik

2. Kurshalbjahr (ds-2): Realisierung eines Theaterprojekts

Schwerpunkt: Szenische Darstellung (Stimme, Sprechen, Text), Regie/Dramaturgie/Inszenierung

3. Kurshalbjahr (ds-3): Erarbeitung eines komplexeren Theaterprojekts und Vertiefung theoretischer Grundlagen

Schwerpunkt: Szenische Darstellung (Figur, Rolle, Improvisation), Regie/Dramaturgie/Inszenierung, Bild

4. Kurshalbjahr (ds-4): Präsentation, Analyse und Vergleich von Theaterprojekten

Alle  Themenfelder


Regelmäßige Projekte , Veranstaltungen, Teilnahme an Wettbewerben

Inszenierungsbeispiele:




Mai 2008 - "The Wizard of Oz" - 2008.

Frederike Höhne - Dorothy und Sebastian Naturski - Lion.

Die Aufführung war in Englischer Sprache.



April 2009 – 4. Semester Kurs Corth:

"Der Hirsch" von Slawomir Mrozek



Juni 2010 – 2. Semester Kurs Dinkelborg:

„Leonce und Lena“ nach Georg Büchner


 
   
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