Latein
„Salve! – Herzlich willkommen!“
Latein spielt an einem altsprachlich orientierten, grundständigen Gymnasium wie dem Canisius-Kolleg natürlich eine besondere Rolle. Nach Frühenglisch ist es die alte ’Erste Fremdsprache’, die von allen Schülerinnen und Schülern verbindlich von der 5. bis zur 10. Klasse gelernt wird; wer möchte, kann natürlich auch bis zum Abitur weiter voranschreiten und die Schönheit der lateinischen Literatur nicht nur andeutungsweise, sondern schon recht intensiv kennen und schätzen lernen.
Wie bei allen fremdsprachlichen Fächern lässt sich auch der Lateinunterricht in zwei Phasen einteilen, nämlich in die Lehrbuchphase (5. – 8. Klasse), in der grundlegende Vokabeln und Grammatik gelernt werden, und in die Lektürephase (ab Ende 8. bzw. 9. Klasse), in der lateinische Originallektüre gelesen wird, wobei Grammatik- und Vokabelkenntnisse natürlich vertieft werden, aber die literarischen und stilistischen, kulturgeschichtlichen und philosophischen Fragen mit fortschreitender Dauer mehr und mehr in den Vordergrund rücken.
Der Sprachunterricht wird an unserer Schule seit einigen Jahren mit dem Lehrwerk ’Felix’ bestritten, das in drei Bänden von den ersten Schritten zur ’Lektürereife’ führt. In allen drei Bänden wird in thematisch gegliederten Lektionen schrittweise die Grammatik eingeführt, wiederholt und vertieft und das grundlegende Vokabular vorgestellt. Dabei ergänzen Einleitungssätze und Übungen den eigentlichen Lektionstext; im ersten Band gibt es auch die Möglichkeit, anhand von deutschen Texten, die ins Lateinische übersetzt werden können, die Grammatikkenntnisse zu vertiefen – dies ist allerdings vom Rahmenplan nicht mehr vorgesehen und wegen der reduzierten Zahl der Fachstunden nicht mehr obligatorisch. Die Kernkompetenz, die im Unterricht erworben werden soll, ist die Fähigkeit zur Übersetzung lateinischer Texte ins Deutsche. Der thematische Aufbau der aus mehreren Lektionen bestehenden Einheiten zu Themen wie ’Im alten Rom’, ’Pompeji’, ’Griechische Mythen’, ’Römische Kulturleistungen’ und vielen anderen mehr, ermöglicht zudem eine intensivere Betrachtung verschiedener Aspekte der (griechisch-)römischen Kultur, deren Wirkung auch heute nicht nur in den (v. a. romanischen) Sprachen, sondern in zahlreichen Bereichen der Kunst und Kultur festzustellen ist. Den Schülern werden so auch die Grundlagen der humanistischen Bildung vermittelt.
Die Organisation des Lektüreunterrichts ist zur Zeit im Wandel: Traditionell gab es die ’Autorenlektüre’; dies bedeutet, dass etwa für ein halbes Jahr Schriften eines Autors im Zentrum des Interesses standen, dessen stilistische Besonderheiten dadurch ziemlich eingehend betrachtet werden konnten. Das für die Zukunft ausschlaggebende Prinzip wird die ’Thematische Lektüre’ sein; dies bedeutet, dass bestimmte Literaturgattungen und Themen intensiver betrachtet werden, zum Beispiel ’Geschichte und Staatswesen’, ’Philosophie’ und ’Dichtung’, in den Semestern vor dem Abitur, davor Einzelthemen aus den Bereichen ’Gesellschaft und Kultur’, zum Beispiel ’Frauen in Rom’ oder ’Sklaverei in der Antike’.